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Eltern antworten auf Fragen von Eltern

 
   
Aus dem "Leitfaden für Eltern" der im Rahmen der Arbeit am Schulprogramm entstanden ist.  
 

Frage: Warum gibt es an der Montessori Schule keine Zensuren bis zur 8. Klasse?

Unsere Antwort: Das „Büffeln für Noten" hemmt in Wahrheit die Leistungsbereitschaft und Freude am Lernen anstatt sie zu fördern. Ziffernzensuren fördern konkurrenzbetontes Lernen und Aussonderung. Sie machen einige eitel und vermitteln ihnen nicht selten ein falsches Bild von ihren Fähigkeiten, und sie beschämen leistungsschwächeren Schüler, wenn sie im Vergleich immer schlecht abschneiden.Verbale Beurteilungen, die auf ausführlicher individueller Beobachtung und der Selbsteinschätzungen der SchülerInnen basieren, geben nicht nur den Leistungsstand, sondern auch den Lernprozess wieder. Zensuren bewerten dagegen oft nur die Fähigkeit, vorgegebene Lerninhalte für das Kurzzeitgedächtnis und die Zensur zu speichern. Das "teaching and learning for the test" wurde von dem Bildungsjournalisten Reinhard Kahl einmal als "bulemisches Lernen" bezeichnet. Zudem wissen wir heute, dass es weder objektive Beurteilungen gibt (Ein und dieselbe Arbeit wird von verschiedenen LehrerInnen sehr unterschiedlich bewertet.), noch ist es zu vermeiden, dass mit Zensuren kein Klassenranking entsteht. Darüber hinaus wissen wir, dass schulischer Erfolg mit Zensuren noch keine Garantie für ein erfolgreiches Berufsleben ist. Sonst, merken wir schmunzelnd an, müssten fast alle Führungspositionen mit Frauen besetzt sein, denn die haben als Mädchen in der Schule die besseren Zensuren.

Frage: Wie erfahre ich ohne Zensuren den Leistungsstand meines Kindes?

Unsere Antwort: Dafür gibt es die bereits erwähnten verbalen Beurteilungen. Außerdem finden Elter-Lehrer-Kinder-Gespräche statt. Zweimal im Jahr sprechen die LehrerInnen mit allen Kindern und Jugendlichen im Beisein ihrer Eltern. In einem Portfolio werden Arbeiten gesammelt, die für dieses Gespräch eine wertvolle Grundlage bilden. "Direkte Leistungsvorlage" bedeutet, dass man sich über das unterhält, was vor einem liegt.

Frage: Warum gibt es an der Montessori Schule jahrgangsgemischte Klassen?

Unsere Antwort: Unterschiedliche Lernstände sind eine Chance, um Verantwortung füreinander zu übernehmen. Wie in einer familiären Situation durchläuft jedes Kind dabei verschiedene Rollen: als Nachahmer, als Fortgeschrittener und als Vorbild. Hinzu kommt: „Durch nichts lernen die Kinder mehr als durch das Lehren anderer.." (Maria Montessori)

Frage: Muss ich wissen, was Montessori-Pädagogik ist?

Unsere Antwort: Unsere Erfahrung ist, dass die pädagogischen Methoden an unserer Schule Befremden und Unbehagen auslösen, weil die meisten von uns nur das traditionelle Lernen mit Frontalunterricht und Zensurendruck kennen gelernt haben. Um Vertrauen in Ansätze eines anderen, selbstbestimmten Lernens zu gewinnen, können die erstaunlich zeitgemäßen Gedanken und Erfahrungen Maria Montessoris ein große Hilfe sein.

Frage: Ist die Montessori Schule eine „Spaßschule"?

Unsere Antwort: Freude ist die wichtigste Triebfeder für erfolgreiches Lernen. Der Unterricht orientiert sich an den individuellen Leistungsständen, Interessen und Lebenswirklichkeiten der Kinder. Dadurch wird gesichert, dass Lernen Spaß macht. Mit dem passiven Konsum der zu Recht kritisierten „Spaßgesellschaft" hat die anspruchsvolle und anstrengende Erziehung zum selbstbestimmten Lernen nichts gemeinsam. "High challange with high support"ist eines unserer Kernziele.

Was ist eigentlich Freiarbeit?

Unsere Antwort: In der Freiarbeit entscheiden die Schüler selbständig, mit welchen Lerninhalten sie sich alleine oder in der Gruppe auseinandersetzen wollen. Sie werden dabei durch die Lehrerinnen beobachtet und angeleitet und durch eine vorbereitete Umgebung unterstützt.Kinder und Jugedliche, die eigene Aufgaben (noch) nicht definieren können, bekommen Aufgaben durch ihre LehrerInnen.

Frage: Lernt mein Kind hier genug?

Unsere Antwort: Das bisherige Schulsystem in Deutschland hat international schlechte Noten bekommen. Das Land Brandenburg schneidet noch dazu im aktuellen Ländervergleich schlecht ab.Es gibt also viele Gründe über die Ursachen nachzudenken, und es ist dringend angeraten neue Wege auszuprobieren. Unsere Schule hat zahlreiche Leistungsvergleiche mit anderen Brandenburger Schulen erfolgreich absolviert. Selbst die - von uns kritisch gesehenen - traditionellen Ergebnisvergleiche bei zentralen Prüfungen in Klasse 10 haben seit 7 Jahren gute Ergebnisse gebracht.In den Kernfächern Deutsch und Mathematik liegen unsere Jugendlichen nach zentralen Abschlussarbeiten über dem Landesdurchschnitt.

Frage: Warum tragen die Kinder Hausschuhe?

Unsere Antwort: Frontalunterricht ist bei uns nur eine Unterrichtsform unter vielen. Deshalb sitzen die Schüler nicht in Stuhlreihen aufgereiht, sondern können die Lernhaltung , -umgebung und -methode selbst wählen. Nicht selten sitzen oder liegen sie auf dem Boden, der dafür hergerichtet ist und sauber bleiben soll. Wir wollen in unseren Räumen eine angenehme Atmosphäre, ohne Jacken, Schuhe und Taschen..

Frage: Was kostet mich die Schule?

Unsere Antwort: Dass eine staatliche Schule eine Montessori-Schule für die erste bis 10. Jahrgangsstufe ist, ist sehr ungewöhnlich. Da wir von unserem Schulträger, der Stadt Potsdam, und vom Land Brandenburg keine Sonderzuwendung bekommen, waren und sind wir auf Spenden von Eltern und Freunden der Schule angewiesen, um die aufwendig gestaltete vorbereitete Lernumgebung zu gestalten. Nur durch die Spenden vieler Eltern über Jahre hinweg ist es uns gelungen, die hervorragenden Montessori- Materialien und viele andere Lernmittel zu beschaffen. Viele Eltern haben pro Jahr pro Kind 100,00 € an den Förderverein gespendet. Wenn man bedenkt, wie gering dieser Betrag auf ein Jahr verteilt und im Vergleich zu den meist privaten Montessori-Schulen auf der ganzen Welt ist (an unserer Partnerschule in Portland kostet ein Schuljahr z.B. 7000 $), unterstützen die meisten Eltern sicherr die Schule auf diese Weise sehr gerne.

Frage: Kann mein Kind von der Montessori Schule auf ein Gymnasium wechseln?

Unsere Antwort: Seit der Einführung des achtjährigen gymnasialen Bildungsweges (G8) ist der Wechsel an ein Gymnasium ist bis zur 9. Jahrgangsstufe problemlos möglich. Viele Jugendlichen unserer Schule (60 bis 70 % pro Jahrgang) wechseln z.Z. erst nach der 10. Klasse auf eine Gesamtschule, in der sie in 13 Jahren zum Abitur gehen. Die Erfahrungen mit den Schulabgängern aus der 10. Klasse der Montessori-Gesamtschule in die gymnasiale Oberstufe sind sehr positiv. Eigenmotivation, Entscheidungsfreude und Realitätssinn aber auch die Gruppenarbeitsfähigkeit, eine hohe Selbstständigkeit bei der Erarbeitung von Inhalten und eine gelassene Zielorientierung , werden immer wieder positiv zurück gemeldet. Diese Fertigkeiten sind eine optimale Vorbereitung auf weiterführende Schulen.