Gespannte Aufregung. Alle 45 Schülerinnen und Schüler des 9. Jahrgangs der Montessori Oberschule sitzen auf dem Hortboden und warten darauf zu erfahren, was die Theatermacher Jens Neumann und Jörg Isermeyer in den nächsten 3 Wochen mit ihnen vorhaben.
Zunächst wird die Odyssee erzählt – dieses Lied aus dem antiken Griechenland von Homer, geschrieben in 12.200 Hexameterversen wird von den beiden Schauspielern und Dramaturgen nacherzählt. Die Geschichte klingt spannend, alle hören zu. Dann erklären beide, das weitere Vorgehen: Die Schüler improvisieren zu den erzählten Szenen, interpretieren diese auf ihre Weise und bringen so die eigenen Lebenswelt in ihre Szenen mit ein. Aus den improvisierten Szenen, die präsentiert und gefilmt werden, entsteht dann das Stück.
Warm up auf dem Schulhof. „Einen Kreis machen und eine neutrale Haltung einnehmen. Hände aus den Hosentaschen, Körperspannung!“, ruft Jens den Schülern zu. Klare Ansagen, hier kann sich keiner drücken, alle machen mit.
Coole Blicke, einige rollen die Augen, andere zeigen die anfängliche Unsicherheit offen: Was kommt auf mich zu, was muss ich von mir zeigen?, scheinen einige Blicke zu sagen. Und tatsächlich bringt das Theaterspielen die Jugendlichen an ihre Grenzen und dazu, auch über eigenen Grenzen hinauszugehen.
„Rücken an Rücken und den Partner wegschieben, setzt alle eure Kraft ein!“ ruft Jörg Isermeyer der Gruppe zu und drückt mich im selben Augenblick mit voller Kraft in die Richtung, in die ich gar nicht will; denn auch die Lehrerinnen machen hier mit. Hier wird sich auch körperlich auseinandergesetzt.
Das warm-up am Anfang jeden Tages bringt alle in Schwung. „Jens-shake“, ruft Jens und schüttelt alle Gliedmaßen und macht dabei laute Töne wie „ahhhhh und uahhh und ohhhhh.“ „Jetzt schreit so laut, dass die Vögel sich erschrecken: Körper mitnehmen, Schwung holen und 1,2,3 Schrei!“ Anfangs hört man Jens und Jörgs Stimme klar heraus, aber in der dritten Woche ist der gemeinsame Schrei so laut, dass man keinen mehr heraushört und die Vögel sind längst weggeflogen.
„Atmet aus dem Bauch heraus und macht oben den Kehlkopf auf – let it flow!“ Der „Flow“ – alles fließ, Atmung, Stimme, Körper und Geist sollen in Einklang sein – wird uns in den nächsten Wochen weiter begleiten.
In der ersten Woche improvisieren die Schüler in Gruppen, die per Zufallsprinzip eingeteilt werden. Telemach sucht seinen Vater, 1. Szene: Penelope umgeben von Freiern, die sie umwerben, Telemach, der von diesen verspottet wird, macht sich auf die Suche nach seinem Vater. Die Schüler können sich entweder an die Vorlage halten oder das Setting der Szene in ihren eigenen Alltag bringen.
Von der Dönerbude in Kreuzberg über die klassische Brautwerbung im alten Griechenland ist alles dabei.
Im weiteren Verlauf der Improvisationen fließen Märchenelemente, Puppenspiel, Balletttänze, Stummfilmelemente, Elemente aus dem Drogenmilieu, Popstars wie Michel Jackson, Tanz und Sprechchöre in die Szenen ein. Die Schüler sind erstaunlich kreativ. Es kommen immer neue Ideen dazu. Jens und Jörg geben Profitipps. Jede Szene wird vor der Gruppe präsentiert. Im Anschluss daran gibt es ein Feedback, erst von den Schülern, dann von den Theatermachern. Das Feedback ist ehrlich und schont niemanden. Dennoch wird keiner beschämt, im Gegenteil. Die Schüler wachsen daran und wollen es immer besser machen. Ein Lob von Jens oder Jörg und der Gruppe zu bekommen ist hier das erklärte Ziel.
„Gebt euch nicht zu früh zufrieden“, sagt Jens „und spielt auch die kleinste Nebenrolle so, als hättet ihr die wichtigste Hauptrolle in der Szene.“
Die Schülerinnen und Schüler arbeiten hart. „ Ich bin abends so müde, dass ich nur noch ins Bett fallen kann“, sagt eine Schülerin und lacht dabei fröhlich. Die Stimmung ist gut, die Schüler wollen hart arbeiten- eine herausragende Aufführung ist das gemeinsame Ziel und dafür muss jeder in der Gruppe sein Bestes geben.
Nach einer Woche Improvisation ist das Stück, geschrieben von Jens und Jörg am Wochenende und in nächtlicher Arbeit, fertig. Gespannt sitzen die Schüler auf dem Hortboden. Es ist mucksmäuschenstill als Jens und Jörg den Text in verteilten Rollen vorlesen. Stolze Gesichter und strahlende Augen unter den Zuhörern: „Das war meine Idee, das ist unsere Szene“, murmeln einige. Tosender Beifall als das Stück fertig gelesen ist.
Jetzt werden die Rollen verteilt. Jeder schreibt drei Wünsche auf, welche Rollen er spielen will. Am Ende des Tages hat jeder seine Rollen und den Text, der schnellstmöglich gelernt werden muss. „Textlernen ist selbstverständlich, bei uns gibt es keine Souffleuse, das muss sitzen“, sagt Jörg.
Die Proben in der letzten Woche vor der Aufführung finden am Schlänitzsee statt, der Ort, an dem das Theaterstück gespielt wird. Der Ort ist durch seine Weitläufigkeit eine Herausforderung für alle. Es wird hier schwerer die Gruppe zusammenzuhalten, jeder muss hier selbst Verantwortung übernehmen. Durch den Wind und die Bäume ist die Geräuschkulisse gegen die die Schauspieler ansprechen müssen hoch, eine weitere Herausforderung.
Die Schülerinnen und Schüler finden ihre Schauplätze, richten sie ein; Kulissen werden gebaut, Kostüme genäht, Texte gelernt. Die Götter laufen auf hohen Stelzen durch das Gelände. Dann kommt das letzte Probenwochenende vor der Premiere am Montag. Es wird durchgearbeitet von 10:00 bis 18:00 Uhr, wer an dem Wochenende nicht dabei ist, kann am Montag bei der Premiere nicht mitspielen, „weil so sich noch so vieles in der Szene weiterentwickelt,“ sagt Jens.
Die Aufführung der Odyssee wird ein voller Erfolg. 4 Vorstellungen werden gespielt, davon 2 Schulvorstellungen und zwei Abendveranstaltungen. Viele der Zuschauer gucken sich das Stück zweimal an, so berührt sind sie davon. Die Schauspieler finden sich so sehr in ihre Rolle ein, dass man eine Gänsehaut bekommt. Eine für das Schultheater ungewöhnliche Tiefe ist in dem Spiel, ein Witz und eine Professionalität, die manchem Zuschauer Tränen in die Augen treibt. Das kommt nicht zuletzt auch davon, dass die Odyssee jeden einzelnen der Schüler anspricht, sie spielen hier Szenen aus ihrem Leben, sie kennen diese Themen und können sie dem Publikum deshalb so authentisch rüberbringen und sie haben Spaß und feiern sich auf der Bühne. Das Publikum dankt es ihnen mit lautem Beifall. Nach der Vorstellung fallen auch die 10.Klässler der Montessori Schule, die im vergangenen Jahr an dem Theaterprojekt teilgenommen haben, den Schauspielern um den Hals und gratulieren ihnen zu diesem tollen Stück. „Ihr ward wunderbar, mindestens genauso gut wie wir im letzten Jahr“ - was für ein Lob!änen in die Augen treibt. Das kommt nicht zuletzt auch davon, dass die Odyssee jeden einzelnen der Schüler anspricht, sie spielen hier Szenen aus ihrem Leben, sie kennen diese Themen und können sie dem Publikum deshalb so authentisch rüberbringen und sie haben Spaß und feiern sich auf der Bühne. Das Publikum dankt es ihnen mit lautem Beifall. Nach der Vorstellung fallen auch die 10.Klässler der Montessori Schule, die im vergangenen Jahr an dem Theaterprojekt teilgenommen haben, den Schauspielern um den Hals und gratulieren ihnen zu diesem tollen Stück. „Ihr ward wunderbar, mindestens genauso gut wie wir im letzten Jahr“ - was für ein Lob!
Tanja Heering |








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