Die Kinder und Jugendlichen unserer Schule bringen mit ihrer Verschiedenartigkeit zahlreiche individuelle Lernziele und Unterrichtstätigkeiten hervor. Die Erfahrung hat immer wieder gezeigt, dass die Motivation, die gesetzten Ziele zu erreichen, von dem Ausmaß der selbstständigen Arbeitsweise abhängt. Das eigenverantwortliche Vorgehen findet im Verlauf der Entwicklung der Kinder und Jugendlichen in unterschiedlichen Phasen statt. Entsprechend unterschiedlich müssen die Anforderungen an selbständiges Arbeiten sein.
Charakteristisch für das Alter der Sechs- bis Zwölfjährigen ist das immense Interesse die Welt zu erkunden. Die Schule sorgt dafür, dass die Kinder die Phänomene der belebten und unbelebten Natur bei Exkursionen und Experimenten, an speziellen Schautafeln und Modellen sowie in Sachbüchern selbst erforschen können. Über Vorträge und selbst zusammengestellte Bücher und Hefter vermitteln sich die Kinder die erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen gegenseitig.
Vor allem in den ersten drei Schuljahren setzt die Lehrerin mit Erzählungen, die die Neugier und Phantasie der Kinder anregen, Impulse. Schreiben, Lesen, der Umgang mit Zahlen, Farben, Werkzeugen und Rollenspielen sind kein Selbstzweck, sondern dienen als Werkzeuge des eigenen Ausdrucks.
Im vierten bis zum sechsten Schulbesuchsjahr gleichen die Schülerinnen und Schüler ihre Interessen mit den Zielvorgaben des Pensenbuches ab, welches ein Kompendium aller Lerninhalte einer jahrgangsgemischten Gruppe beinhaltet. Sie beraten sich hierbei gegebenenfalls mit den Lehrerinnen und Lehrern. Mehr und mehr erschließt sich ihnen in der Freiarbeit der abstrakte Hintergrund, der den Umgang mit den Materialien ausmacht. Mithilfe der Einführungen durch die Lehrkräfte lernen sie Formeln, Regeln und Gesetzmäßigkeiten anzuwenden.
Mit etwa zwölf Jahren bricht bei den meisten Jungen und Mädchen eine ganz neue Entwicklungsphase an. Sie erleben besonders intensiv, wie ihr Körper ihnen den Weg zum Erwachsenwerden anzeigt. Selbstständig sein heißt nun sich von den Eltern und den anderen erwachsenen Bezugspersonen zu lösen. Gleichaltrige werden zu den wichtigsten Vertrauten und gleichzeitig zu gefürchteten Kritikern. Der Intellekt scheint abzunehmen und die bisherigen Unterrichtsformen werden ineffektiv. In dieser Zeit müssen Lehrerinnen und Lehrer gleichzeitig Grenzen setzen und Vertrauen geben, niemals aber beschämen, denn die Jugendlichen entwickeln einen feinen Sinn für Gerechtigkeit.
Seit mehreren Jahren gibt es für die Jugendlichen unserer Schule neue Angebote: die freie Arbeit mit ihrer Dokumentation im elektronischen Pensenbuch, die Arbeit in Projekten, die regelmäßigen Praktika in Kindergärten, Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben und das intensive Theaterspiel. Schülerinnen und Schüler sammeln erste Erfahrungen mit einer Schülerfirma. Am Ende ihrer zehnjährigen Schulzeit zeigen die Jugendlichen in der „Montessoriprüfung“ wie sie gelernt haben, ein Thema eigenverantwortlich, komplex und mit angemessenen Mitteln zu bearbeiten und zu präsentieren. |