Geschichte und Perspektiven der Jugendschule am Schlänitzsee

Projekt „FREUDE AM WACHSEN“

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Schüler dürfen in verschiedensten handwerklichen und landwirtschaftlichen Projekten lernen, wie sie nachhaltig und mit Respekt und Nähe zu Pflanzen und Tieren kleine wirtschaftliche Unternehmungen in Gang setzen können, die sich selber tragen.

Die Idee entstand aus dem pädagogischen Programm der staatliche Montessori -Oberschule Potsdam: Jugendliche in der Phase der Pubertät lernen am Besten mit Gleichaltrigen zusammen sowie in Projektarbeit und, wenn irgend möglich, in der Natur, wo es für den ganzen Körper und den Geist etwas zu tun gibt. Das ermöglicht zugleich, ein tieferes Verständnis für die Natur zu entwickeln und einen nachhaltigen Umgang mit unserer Umwelt zu lernen und ganz konkret zu erproben.

Die Schulleitung entwickelt und arbeitet zusammen mit den Experten (Mathias Peeters, Landwirt und Pädagoge und André Rießler Bootsbauer und Pädagoge) seit 2008 an der Idee und an deren Umsetzung von einer „Jugendschule am Schlänitzsee“.

Das Gelände am Schlänitzsee liegt nördlich von Potsdam und ist 3,6 ha groß. Hier befand sich vor der Wiedervereinigung ein Ferienlager für Mitarbeiter der Staatssicherheit, das die letzten 20 Jahren lang brach lag und dem Verfall überlassen war. Nun sind einige der maroden Bungalows umgebaut worden, Müll und Schutt wurden entsorgt, das überwucherte Gelände samt Vogelschutzstreifen mit wertvollen Biotopen, die Feuchtwiese und die freien Flächen wurden aufgeräumt und rekultiviert.  Geplant ist, weitere angrenzende Landschaftsschutz – Flächen einzugliedern.

Im Juni 2016 sind die langjährig verhandelten Entsiegelungsarbeiten endlich abgeschlossen.

Inzwischen trägt der neugegründete Verein „Jugendschule am Schlänitzsee“ die Verantwortung und betreibt in Zusammenarbeit mit der Montessori-Oberschule Potsdam und dem dazugehörigen Förderverein der Eltern die Entwicklung ihres pädagogischen „Freilandlabors“. Die Helga – Breuninger – Stiftung unterstützt das Projekt in operativer Weise.

In Kooperationsverträgen wurden die verschiedenen Verantwortlichkeiten und Strukturen formuliert, die sowohl für ein erfolgreiches Wirtschaften als auch für die engste Anbindung der Aktivitäten der Jugendschule an die Unterrichtsinhalte der Montessori-Oberschule garantieren.

Losgehen soll es mit folgenden Unternehmungen, die von den Schülern und den sie bei den Arbeiten begleitenden Experten und Lehrern in den letzten Jahren erfolgreich vorbereitet wurden:

  • ein Wasserprojekt
  • einen Kanuverleih mit selbstgebauten Kanus
  • ein Esel – Wander – Netzwerk
  • die Pflege und Instandhaltung von Bienenstöcken und der Verkauf von Honig
  • ein Hühnergarten und der Verkauf von Eiern
  • einen Bauerngarten, der landwirtschaftlich betrieben wird mit Gemüse und Obstbäumen und der Verkauf dieser Produkte
  • die Selbstversorgung der Beteiligten mittels einer selbstgebauten Kochstelle
  • die Zucht verschiedenster Kräuter zum Verkauf
  • Marktforschung, die betrieben wird, um den Verkauf auf Wochenmärkten und kleinen Läden in Umgebung und Berlin zu organisieren
  • intensive Einarbeitung in das Thema Buchhaltung, um die Finanzen selbstständig verwalten zu können
  • Bautrupps, die für die Pflege und den Ausbau der Infrastruktur der Jugendschule sorgen
  • Führungen und Schulungen von Gruppen, die zur Hospitation an den Schlänitzsee kommen. Das sind sowohl Schüler anderer Schulen, Lehrer, Wissenschaftler und auch Prominenz aus der Bildungslandschaft, aus Wirtschaft, Kultur und Politik
  • Radio – und Podcasts – Produktionen, die für eine Dokumentation sowie eine Vergemeinschaftung der Idee und des Projektes in der Öffentlichkeit, insbesondere an anderen Schulen sorgen

Die bisherige Situation:

Zu Beginn stand die Entscheidung der Montessori – Oberschule Potsdam, Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen in einen gemeinsamen Schulalltag und Unterricht zu integrieren. Behutsam wurden zudem in den folgenden Jahren die Prinzipien der Montessori – Pädagogik in immer mehr Klassen und Jahrgangsstufen eingeführt. Heute lernen Schülerinnen und Schüler der ersten bis zur achten Jahrgangsstufe in altersgemischten Gruppen.

Nach sechs Jahren als „offizielle Schulversuchsschule“ des Landes Brandenburg, die von Wissenschaftlern/innen der Universitäten Potsdam, Halle und Bielefeld bei ihren Reformvorhaben begleitet und evaluiert wurde, erhielt die Montessori – Oberschule Potsdam den Status „Schule mit besonderer Prägung“ durch das Bildungsministerium.

461 Schüler/innen und 40 Lehrer/innen sowie die dazugehörigen Eltern und Honorarkräfte arbeiten heute an einem anderen, neuen Bild von Schule. 2007 wurde die Montessori – Oberschule Potsdam von der Robert – Bosch – Stiftung mit dem Schulpreis ausgezeichnet .

2007 fand die Montessori- Oberschule Potsdam eine „Außenstelle für ihre keimende Idee von Lernen durch praktische Arbeit“ für ihre Schüler. Das Gelände am Schlänitzsee jedoch war durchsetzt mit abbruchreifen Häusern und Hütten, Gerätschaften, Glasscherben und jeglichen Haushaltsabfällen. Lange Zeit galt es zuvorderst, die maroden Gebäude nach Arbeitsschutzvorschrift abzureißen, den Müll auf dem Gelände zu entsorgen und dieses für eine Inbetriebnahme der Jugendschule Instand zu setzen. Auch ging es darum, juristisch tragbare Strukturen zu schaffen, um ein zweifelsfreie Zukunft zu gewährleisten. Die Gründung einer landwirtschaftlich GbR, unter deren Obhut die Jugendschule Schlänitzsee arbeiten und experimentieren kann sowie die Integration weiterer angrenzender Landschaftsschutz – Flächen im Sinne eines Grundstückstausches mit benachbarten landwirtschaftlichen Betrieben stehen kurz vor dem Abschluss.

Am 9. Mai 2012 wurde der Verein „Jugendschule am Schlänitzsee“ gegründet. Überaus stark engagiert ist auch der Förderverein der Schule, in dem nahezu alle Eltern für die finanzielle Basis der Jugendschule einstehen.

Im Zentrum der Jugendschule stehen die ca. 90 Schüler/innen der 7. und 8. Klassen. die insgesamt 8 Wochen pro Jahr an der Jugendschule tätig sind.

Neben ihrer Projektarbeit führen die Jugendlichen auch die altersgemischten Grundschulklassen der Montessori- Oberschule, die reihum einmal pro Woche auf dem Gelände sind, an das Arbeiten am Schlänitzsee und die dort laufenden Projekte heran. Zurück im Unterricht sind die Grundschüler ebenfalls mit den Lernformen der Jugendschule und deren Themen wie Landbau und Handwerk befasst, so dass sie später, wenn sie die 7. Klasse erreicht haben, mit Vorwissen und Grundfähigkeiten am Schlänitzsee starten können. Die älteren Schüler der 9. und 10. Klassen arbeiten an konkreten separaten Projekten am Schlänitzsee.

Mathias Peeters